starre ich zurück. So schnell lass ich mich nicht unterkriegen, mal sehen wer es länger aushält. Meine Befürchtung ist allerdings, dass ich schnell den Kürzeren ziehe, denn vor meinen Augen fängt es bereits an zu flimmern, bis ich fast Sterne sehe.
Blödes Ding!
Es ist noch früher Vormittag, normalerweise meine kreativste und produktivste
Zeit. Im Zimmer ist es ruhig, niemand der mich stört, eigentlich (wie ich
dieses Wort hasse) optimal um ein wenig zu schreiben. Aber heute?
Die Uhr an der Wand tickt ziemlich laut vor sich hin und Minuten
vergehen ungenutzt, unbeschrieben, ungelebt.
wenn Sätze
ohne Zusammenhang bleiben
wenn Worte
ihren Sinn verlier’n
wenn Sprache
stumm schreit
ist der Dichter zerschellt
am Abgrund der Zeit
Und warum sitze ich hier? Ich will gerne mal wieder einen Blogbeitrag
schreiben. Mein neues Buchprojekt lahmt gerade vor sich hin und ich sollte
dringend anfangen die geführten Interviews zu bearbeiten. Nicht zu vergessen, den Text für meinen
wöchentlichen Amtsblattartikel verfassen, da ich sonst wieder den Abgabetermin
verpasse. Und ich müsste unbedingt ein paar Emails erledigen, private und geschäftliche.
Aber irgendwie kriege ich nicht mal die zustande. Die Wörter scheinen alle
zusammen zu kleben, wie ein großer Klumpen geschmolzenes und wieder erkaltetes
Eisen. Schwerfällig bewegen sich meine Finger über die Tastatur, als müsse ich
mit jeder Taste das Gewicht eines Amboss stemmen.

Ich schreibe einen Satz, lösche ihn wieder. Schreibe noch einen Satz,
lösche auch den wieder, weil er mir zu nichtsagend scheint. Mensch Wiebke, reiß
Dich zusammen, dass kann doch nicht so schwer sein. Schon Albert Einstein
sagte: Schreiben ist leicht, man muss nur
die falschen Worte weglassen … aber nicht mal die fallen mir heute ein. Mein
Kopf ist leer und mein Gehirn scheint sich in Nichts aufgelöst zu haben, ist
irgendwie nicht mehr nicht existent. Gähnende Leere im Kopf, wie eine Wüste
ohne Wasser, ohne Leben.
Und diese Leere stiehlt sich nach und nach in alle Gliedmaßen. Mein
Körper ist energielos und ich fühle mich kraftlos und schlapp. Ich kenne das
von früher, es ist wie bei einer Depression, man verfällt in eine gewisse Reglosigkeit
die, wie es scheint, nicht überwunden werden kann. Der Körper gehorcht nicht mehr.
Mir kommt es vor, also ob nicht mal die Füße den Boden berühren. Ich fühle mich
haltlos, bin nicht geerdet.
Letztlich muss ich es mir eingestehen: Schreibblockade!
Frust kommt auf, der in diesem Falle nicht gerade förderlich ist und
ich versuche mich nicht davon
überfahren zu lassen. Aber irgendwie machen die Gedanken,
jetzt nicht frustriert zu sein, es nur schlimmer und ich spüre wie in mir langsam
Ärger hochsteigt. Wie ein Glas, das man unter einen laufenden Wasserhahn hält,
fülle ich mich bis an den Rand meiner selbst und es besteht die Gefahr, dass
ich überlaufe. Na wenigstens scheine ich noch Gefühle zu haben, wenn schon der
Verstand sich verabschiedet hat. Warum tue ich mir das überhaupt an, ich meine,
braucht die Welt mein Geschreibsel überhaupt? Schreibe ich nun um meiner Willen,
um des Schreibens Willen, wegen denen die es vielleicht lesen oder auch nicht?
Doch dann stelle ich mir die Frage: Wenn ich nicht schreibe, wer bin
ich dann?
Ein tiefer Seufzer entringt sich meiner Kehle. Nun, es ist nicht das
erste Mal und so habe ich mir im Laufe der Jahre ein paar kleine Stützen
angeeignet, die sich dazu eignen eine kleine Schreibblockade zu überwinden. Wäre
doch gelacht …
Erstmal durchstöbere ich meine Notizensammlung. Immer wenn mir ein
scheinbar guter Satz einfällt, dieser aber im Moment nirgends reinpasst, notiere
ich ihn für spätere Schreibprojekte oder eben als Ideenunterstützung für unkreative
Momente wie diesen.
Nicht mal Worte finde ich
für die Stimme die aus mir
spricht
sehe mal wieder kein Licht
keinen Fortschritt
Stillstand
Hm, das passt so gar nichts. Es ist als hätte ich nie auch nur einen halbwegs
vernünftigen Satz geschrieben oder auch nur eine brauchbare Idee gehabt. Am
liebsten würde ich gleich alles löschen, aber zum Glück – vielleicht – ist mir
das jetzt schon zu viel und ich schließe ergebnislos die Datei. Dann probiere
ich halt etwas anderes.
Das Internet. Immer ein Pfuhl der Nichtigkeiten, aber durchaus
hilfreich. So surfe ich durchs Netz auf der Suche nach Inspiration. Das ist,
wenn ich mich nicht gerade in den Weiten des WWW verliere, durchaus hilfreich.
Denn ein Wort oder ein Satz kann da einen Funken in meinem erloschenen
Gehirnfeuer entzünden, dass sich schnell zu einem wohltuenden Lagenfeuer ausweitet
und den Wortklumpen auflöst … Doch heute finde ich nur gut Formuliertes von anderen,
dem ich mich nicht gewachsen fühle und dem ich wohl nicht das Wasser reichen
kann.
So bleibe ich nach einer Weile beim Solitärspiel hängen und habe das Gefühl
noch mehr abzustumpfen.
Das wird so nichts. Vielleicht Musik. Normalerweise immer eine Quelle
der Inspiration. Wenn sich die Melodien langsam durch meine Gehörgänge in
Richtung Kopf und Herz ihren Weg suchen, wie ein Fluss der sich durch einen
Canyon schlängelt; die im Weg liegenden Fruststeine überspült oder wenn sie zu hartnäckig
sind, einfach umgeht, dann steigen Bilder in mir auf und diese kann ich in
Worte verwandeln.
Aber irgendwie spielen die heute nur traurige Songs im Radio und ich verfalle
in leichte Melancholie, die nicht dazu beiträgt, die Blockade zu entsperren.
Etwas essen. Bei mir sicher nicht ein ‚Allheilmittel‘ – im Gegenteil –
aber in so einem Fall könnte ich mich in die Reihe der Jammerer stellen und
sagen: mein Blutzuckerspiegel ist total unten. Also eine Handvoll
Studentenfutter. So von wegen Gehirnnahrung und ein bisschen Traubenzucker und
so. Nach zwei Minuten beschließe ich die Tüte wieder wegzuschließen, weil ich
sie sonst leerfuttere. Und dann geht es mir sicher nicht besser und ich werde
sicher nicht schreibwütiger.
Habe ich genug getrunken? Ich denke ja, denn so als Ablenkungsmanöver
musst meist der ‚Durst‘ herhalten. Nur noch schnell eine Flasche Wasser besorgen,
dann setzte ich mich aber wirklich hin und schreibe. Oder doch einen Tee
kochen, zur Kaffeeküche gehen und einen Kaffee holen (wobei da dann hoffentlich
der eine oder andere Kollege rumsteht, mit dem ich ein Schwätzchen halten kann –
nur um nicht zurück an den Computer zu müssen, der mich doch nur fiese anstarrt
und auszulachen scheint). Aber mehr als 2 l Wasser und Kaffee/Tee passen wirklich
nicht in mich hinein, sonst kann ich bei meiner Konfirmandenblase meinen Arbeitsplatz
gleich aufs Clo verlegen. Also keine gute Idee.
Meine liebe Kollegin, der ich seit einer Stunde das Ohr volljammere und
die sehr geduldig zuhört, rät mir, es nicht krampfhaft zu versuchen, sondern
einfach etwas ganz anderes zu tun. Als ob ich das nicht wüsste! Klugscheißerin!
Aber ich muss diese Texte und Mails ja irgendwann mal fertig kriegen und was
ich mir nun mal vorgenommen habe, will ich auch durchziehen. Wenn es sein muss
mit Gewalt. Doch Worte mögen keine Gewalt. Wenn ich versuche sie aus dem großen
Klumpen herauszubrechen, zerfallen sie und werden zu Staub im Wind, den ich nicht
festhalten kann.
Letztlich denke ich, sie hat wohl Recht und ich versuche es. Frische
Luft. Ich rede mir jetzt einfach mal ein, dass die bestimmt hilft! Vielleicht ein kurzer Spaziergang.
In der Natur konnte ich schon immer gut Inspiration schöpfen. Ich versuche das
was ich sehe zu beschreiben und manchmal hilft mir das die verloren geglaubten
Wörter wieder zu finden. Aber heute schleiche ich nur dröge durch die Gegend,
so dass mich wohl jeden Oma überholen könnte, wenn sie denn wollte. Ich kann
weder die Schönheit des Frühlings sehen, geschweige denn die wärmenden
Sonnenstrahlen genießen oder die sich im Wind wiegenden Bäume mit ihren
rauschenden Blättern hören. Und das Ganze beschreiben? Wieder fehlen mir die
Worte dazu. Seufz.

Nichts, nichts, nichts … der Kopf bleibt so leer wie der Bildschirm.- Und
ich, ich gebe auf. Wenn die Wörter sich querstellen, blockieren, dann hat es keinen
Zweck. Wörter lasen sich nicht erpressen, ausquetschen. Sie sind so dickköpfig
wie ich manchmal und ich kann sie nicht zwingen sich zu formen und Sätze zu
bilden. Dann hilft nur noch eines: den Stift zur Seite legen, den Computer
ausschalten und sich mit der Tatsache abfinden, dass sie - die Wörter - und ich
etwas Abstand voneinander brauchen. Damit wir uns dann, wenn die Zeit gekommen
ist, wieder finden und zusammen etwas erschaffen können.
Und so lange halte ich es wie Scarlett O’Hara in ‚Vom Winde verweht‘:
Verschieben wir’s auf morgen!
As always
thanks for your time!