Ein Glueckspilz wer ihn gefunden ...

The Thousandth Man

One man in a thousand, Solomon says
Will stick more close than a brother.
And it’s worth while seeking him half your days
If you find him before the other.
Nine hundred and ninety-nine depend
On what the world sees in you,
But the Thousandth Man will stand your friend
With the whole round world agin you.

‘Tis neither promise nor prayer nor show
Will settle the finding for ‘ee
Nine hundred and ninety-nine of ‘em go
By your looks, or your acts, or your glory.
But if he finds you and you find him,
The rest of the world don’t matter;
For the Thousandth Man will sink or swim
With you in any water.

You can use his purse with no more talkThan he use yours for his spendings,
And laugh and meet in your daily walk
As though there had been no lendings.
Nine hundred and ninety-nine of ‘em call
For silver and gold in their dealings;
But the Thousandth Man he’s worth ‘em all,
Because you can show him your feelings.


His wrong’s your wrong, and rights your right,
In season or out of season.
Stand up and back it in all men’s sight –
With that for you only reason!
Nine hundred and ninety-nine can’t bide
The shame or mocking or laughter,
But theTthousandth Man will stand by your side
To the gallows-foot – and after!

(Rudyard Kipling)

die beste Stunde des Tages ... eine Vision

Ich sitze auf meiner Terrasse und schaue ueber das Wasser. Es glaenzt, als haette jemand die ganze Nacht damit verbracht es zu polieren. Der Himmel und das Meer haben die gleichen Farben: alle nur erdenklichen Blautoene wechseln sich ab. Um diese morgendliche Stunde mischt sich an der einen oder anderen Stelle rosa hinein.  Der letzte Dunst, der noch ueber dem Horizont haengt, zeigt sich in sanfter Lila-Faerbung.

In der Ferne sehe ich ein einzelnes Schiff dessen schneeweisse Segel locker in der leichten Brise flattern. Leise kleine Wellen plaetschern an den leeren Strand. Behutsam, als wollte das Meer zu viel Laerm vermeiden um die Vollkommenheit die dieser ruhige Moment auszustrahlen scheint nicht zu stoeren. Nur die Moewen sind schon munter und suchen kreischend nach einem Fruehstueck ...


Es ist erst 6 Uhr frueh, aber die Luft schon angenehm mild. Ich gehe in die Kueche und schenke mir noch eine Tasse heissen Kaffee ein. Der aromatische Duft alleine belebt meine Sinne. Im Vorbeigehen streichle ich meinem Hund ueber den Kopf.  Er schaut mich an, wedelt mit der Rute und ich versichere ihm dass er spaeter ganz sicher seinen Spaziergang bekommt. Er scheint zu verstehen und schliesst beruhigt wieder die Augen.

Fuer eine kleine Weile moechte ich sie noch geniesen, diese beste Zeit. Ich liebe diese Stunde, wenn der Tag erwacht. Sie hat etwas von neu geboren werden. Immer wieder. Der Tag liegt vor mir und es scheint mir stehen noch alle Moeglichkeiten offen. Es ist an mir wie ich ihn fuelle, mit positiver oder negativer Energie; an mir was ich daraus mache, meine Entscheidung ‚ja’ dazu zu sagen. Ein Hauch von grenzenloser Freiheit erfasst mich. Irgendwie wuenschte ich der Morgen wuerde den ganzenTag anhalten. Obwohl, waere sie dann noch besonders, diese Stunde bevor mich der Tag einfaengt in Stunden der Geschaeftigkeit? Hier und jetzt darf ich einfach sein. Keine Verpflichtung kein Muss ... sie gehoert mir allein, diese beste Stunde. Ein Versprechen, dem ich swchwer wiederstehen kann.


Kurz schweifen meine Gedanken dann doch an den vor mir liegenden Tag:
Nachher werde ich mich an dern Schreibtisch setzen, meinen Laptop aufklappen und schreiben. Es will im Moment nicht so recht klappen. Ich habe fuer den zweiten Teil meines autobiogrfischen Romans irgendwie noch nicht den richtigen Felsen gefunden, von dem aus ich mich, meine Kreativitaetsfluegel ausspannend, in die Tiefen der Woerterschlucht stuerzen kann.
Spaeter am Vormittag habe ich eine Verabredung mit meinem Verleger. Ich soll heute den neuen Uebersetzer treffen. Ich werde ein wenig traurig wenn ich daran denke. Bisher haben meine Eltern fuer mich die Uebersetzungen gemacht, aber aus Altergruenden ist es ihnen nun nicht mehr moeglich. Die Wendigkeit des Gehirns  und das perfekte Augenlicht sind vergaenglich, wie die von mir so geschaetzte Morgendstunde.
Anschliessend werde ich in die Stadt fahren um ein paar Nachforschungen in der Biblothek zu betreiben. Ich bin da wohl ein wenig altmodisch, denn auch wenn ich ohne meinen Computer und das Internet nicht sein moechte, so gibt es nichts inspirierenderes als Regale voller Buecher und der unverwechselbare Geruch von Papierstaub und Leim.
Dann habe ich ein telefonisches Interview mit einem ehemaligen Schulkameraden vereinbart, der mir – da er Schuelersprecher war – ein paar Details zum Thema Lehrer versprochen hat.
Nachmittags bin ich im Lycee eingeladen um eine Lesung zu halten. Wie immer freue ich mich jetzt schon auf die sicher entstehende Diskussion, ein unerschoepflicher Quell von Ideen. Auch erstaunt mich jedesmal wieder die Buntheit der Sprache der Schueler, ein gelebter Thesaurus.
Am Abend dann habe ich mich mit Freunden zum Essen verabredet. Wir wollen unbedingt das neue Restaurant „Le Dorade“ ausprobieren. Nauterlich Meeresfruechte.


Doch noch scheint all das weit weg, wenn ich hier auf meiner Terrasse sitze und und auf das Meer schaue. Die salzige Luft einatme, jede Faser meines Ichs spuere, das Nichts-tun lebe als sei es das einzig wichtige auf der Welt, eins sein mit der unendlichen Sehnsucht des Ozeans ... Und wieder einmal bin ich dankbar fuer diese beste Stunde des Tages ...

(V)Erklaerung …

You are never given a dream without also being given the power to make it true. You may have to work for it, however. (Richard Bach)

Heute ist es auf den Tag genau 1 Jahr her, dass ich in Santiago in Spanien angekommen bin. Es scheint eine Ewigkeit und doch als war es erst gestern. Der Weg ist in mir lebendiger denn je – in ganz verschiedener Form. Als Erinnerung an das Erlebte und als Vorfreude auf das naechste Mal. Als die Erfahrungen, die ich machen durfte und als die Herausforderung die vor mir liegt. Als Bild und Text, als Gespraech und Versprechen.
Es ist viel passiert in diesem Jahr. Um mich herum und mit mir. Und Vieles ist noch offen und unabgeschlossen, was auf dem Weg begann – und sei es nur als Gedanke oder Gefuehl.


Mir wird bewusst, es gab nicht einen einzigen Tag in diesem Jahr, an dem ich nicht an meine Pilgerreise dachte. War es entweder weil ich an meinem Blog gearbeitet habe (die englische Version ist immer noch nicht ganz fertig) oder weil ich mal wieder ein Gefuehl nach „Weg oder weg“ hatte. War es weil ich ein wenig im Pilgerforum gestoebert habe oder weil mein Bildschirmschoner einsetzte, der mit der Fotodatei ‚Jakobsweg“ verknuepft ist. Manchmal fragt mich auch jemand nach meiner Wanderung (erstaunlich, dass nicht nur ich mich nach ‚so langer Zeit’ erinnere) und ein paar mal habe ich Filme gesehen, die entweder direkt oder indirekt mit Pilger oder dem Jakobsweg oder einfach Unterwegssein zu tun hatten.


Nein, ich bin kein Mensch der in der Vergangenheit lebt,  aber eine lebendige Erinnerung zu schaetzen weiss. Ich merke, ich lasse mich gerne verfuehren, von der Sehnsucht, die diese Dinge mit sich bringen.


Doch dann wiederum, wenn ich so meine Aufschriebe lese (und natuerlich auch die von anderen Pilgern verfassten Berichte  und Blogs) und dort von Blasen und Fussweh, Erkaeltung und harten schmutzigen Betten, schlechtem Essen und unangenehmen Zeitgenossen die Rede ist, frage ich mich ernsthaft: sehe ich meine Pilgerreise im Nachhinein in einem zu guten Licht?  Verklaere ich es, durch die rosa Brille betrachtet?

Irgendwie sind all die Momente verblasst, als ich aufgeben wollte (die erste Krise hatte ich schon am zweiten Tag und ich war noch nicht mal ueber die deutsche Grenze). Die Schmerzen in Beinen und Schultern, aber auch die seelischen Unebenheiten die eine Pilgerreise mit sich bringt. Vergessen? Nein, dass nicht. Aber dadurch, dass ich immer wieder weiter gelaufen bin – bis ans Ziel; dass ich gewachsen bin an den Herausforderungen; dass ich ein Teil der Gemeinschaft sein durfte und darf, die Begeisterung fuer das Pilgern auf- und mitbringen ... dass laesst sie vergessen, die kleinen und grossen Krisen. Oder zumindest erscheinen sie in einem milderen Licht ...

Ich bemerke, dass ich viele Dinge anders angehe, anders sehe. Immer wieder gibt es Situationen im Leben, die denen auf dem Jakobsweg aehneln und ich kann die „Loesung“ fast direkt uebertragen. Ich bin gewachsen. Es ist eben nicht nur einfach von einem Ort zum anderen gehen. Nicht nur Kilometer runterreissen und wer ist als erstes da. Es ist ein Meditieren im Laufen. Ein Erleben mit allen Sinnen. Pilgern wo schon tausende andere pilgerten, seit Jahrhunderten. Teil von etwas sein, dass viel groesser ist ... Ich jedenfalls habe noch von keinem Pilger gelesen oder gehoert, den der Weg nicht beruehrte in der einen oder anderen Weise. .... (okay, es mag Welche geben, die wandern einfach nur und vergessen dann ...). Doch das ist es wohl auch, was den Pilger von dem Wanderer unterscheidet.

Fuer mich steht fest, ich bin noch lange nicht fertig mit ihm, dem Weg. Ich werde wieder pilgern. Werde die damit verbundenen Anstrengungen gerne in Kauf nehmen und wieder ein Stueck wachsen.  Ich weiss auch schon wo ich pilgern moechte und wie ...  nur dass Wann, das steht noch in den Sternen.  Doch da vertraue ich einfach dem Pilger in mir. Denn so wie meine erste Pilgerreise genau zum richtigen Zeitpunkt stattfand, werde ich wissen, wann es wieder soweit ist ... Und bis dahin, bleibt mir ja jeden Tag mein kleines Stueck Jakobsweg.