Everybody's Free To Wear Sunscreen


An Feiertagen - so auch am den vergangenen Ostermontag - gibt es im Radio oft „Pop und Poesie“ oder „Lyrics“ oder ähnliches. Da werden Songtexte übersetzt und vorgelesen. Ich finde es immer wieder spannend. Denn obwohl ich behaupte, der englischen Sprache durchaus mächtig zu sein, stelle ich immer wieder fest: ich verstehe doch nicht alle Texte so genau … oder höre ich einfach nicht richtig zu?

Viele sind es auf jeden Fall wert, ihnen nochmal genauer nachzugehen. Ein solches Lied ist auch »Everybody's Free To Wear Sunscreen« von Baz Luhrmann. Der Originaltext ist in Englisch, aus dem Jahr 1997 und wurde von Mary Schmich, eine Kolumnistin bei der Chicago Tribune, verfasst (hier die deutsche Übersetzung):

Wenn ich Dir nur einen einzigen Rat für Deine Zukunft geben dürfte, dann wäre es: Sonnencreme. Die Langzeit-Vorteile von Sonnencreme sind wissenschaftlich erwiesen, wohingegen der Rest meiner Ratschläge lediglich auf meiner eigenen, verwickelten Lebenserfahrung beruht. Diese Ratschläge werde ich jetzt geben.

Genieße die Macht und die Schönheit Deiner Jugend - wobei: Du wirst die Macht und die Schönheit Deiner Jugend nicht begreifen, bis sie verschwunden sind. Aber glaube mir: in 20 Jahren wirst Du Fotos von Dir anschauen und dann auf eine Art und Weise, die Du jetzt noch nicht begreifen kannst, realisieren, welche Möglichkeiten Du damals hattest und wie fabelhaft Du wirklich aussahst. Du bist nicht so fett wie Du glaubst.

Macht Dir keine Sorgen über die Zukunft. Oder mach sie Dir, aber wisse: sich Sorgen machen ist genauso effektiv wie der Versuch, eine algebraische Gleichung durch das Kauen von Kaugummi zu lösen. Die echten Probleme in Deinem Leben werden Dinge sein, über die Du Dir mit Deinem sorgenzerfressenen Gehirn niemals Gedanken gemacht hast, Dinge, die Dich unerwartet an einem ruhigen Dienstag um vier Uhr nachmittags treffen.

Mache jeden Tag etwas, wovor Du Angst hast.

Singe.

Gehe niemals fahrlässig mit den Herzen anderer Menschen um. Meide Personen, die fahrlässig mit Deinem Herzen umgehen.

Benutze Zahnseide.

Verschwende keine Zeit mit Neid. Du wirst mal vorne liegen und mal hinten. Das Rennen dauert lange, und im Endspurt bist Du Dein einziger Gegner.

Erinnere Dich an jedes Kompliment. Vergiss die Beleidigungen. Wenn Dir das gelingt, sage mir, wie Du es machst.

Hebe Deine alten Liebesbriefe auf. Wirf Deine alten Kontoauszüge weg.

Mache Dehnübungen.

Fühle Dich nicht schuldig, wenn Du nicht weißt, was Du mit Deinem Leben anfangen sollst. Die interessantesten Menschen, die ich kenne, hatten mit 22 keine Ahnung, was sie mit ihrem Leben anfangen sollten. Einige der interessantesten 40jährigen, die ich kenne, wissen es immer noch nicht.

Nimm genug Calcium. Achte auf Deine Knie. Sie werden Dir fehlen, wenn sie nicht mehr funktionieren.

Vielleicht wirst Du heiraten, vielleicht auch nicht. Vielleicht wirst Du Kinder haben, vielleicht auch nicht. Vielleicht wirst Du Dich mit 40 scheiden lassen, vielleicht wirst Du am 75. Hochzeitstag den "Ententanz" tanzen. Was auch immer Du tust, beglückwünsche Dich selbst nicht zu sehr oder beschimpfe Dich. Deine Entscheidungen sind zur Hälfte Zufall, wie bei allen anderen auch.

Erfreue Dich an Deinem Körper. Gebrauche ihn auf jede erdenkliche Weise. Habe keine Angst vor ihm, oder davor, was die Leute darüber denken. Er ist das größte Instrument, das Du jemals besitzen wirst.

Tanze, auch wenn es nur zu Hause in Deinem Wohnzimmer ist.

Lies die Wegweiser - auch wenn Du sie nicht befolgst.

Lies keine Schönheitsmagazine. Sie bewirken nur, dass Du Dich hässlich fühlen wirst.

Lerne Deine Eltern kennen. Du weißt nie, wann sie für immer gegangen sein werden. Sei gut zu Deinen Geschwistern. Sie sind die beste Verbindung zu Deiner Vergangenheit und die Menschen, die in der Zukunft am ehesten zu Dir halten werden.

Begreife, dass Freunde kommen und gehen, aber mit ein paar davon solltest Du verbunden bleiben. Arbeite hart daran, Entfernungen geographischer oder sozialer Art zu überbrücken, denn je älter Du wirst, desto mehr brauchst Du die Menschen, die Du gekannt hast, als Du noch jung warst.

Lebe einmal in New York, aber ziehe fort, bevor es Dich hart macht. Lebe einmal in Südkalifornien, aber ziehe fort, bevor es Dich weich macht. Reise.

Akzeptiere einige unveränderliche Wahrheiten: Preise werden steigen. Politiker werden andere hofieren. Auch Du wirst älter werden. Und wenn Du alt geworden bist, wirst Du Dir weismachen, dass früher die Preise vernünftig waren, die Politiker anständig und Kinder Respekt vor ihren Eltern hatten.

Respektiere Deine Eltern.

Erwarte von niemandem Unterstützung. Vielleicht hast Du ein dickes Bankkonto, vielleicht eine reiche Gattin, aber Du weißt nie, wann eines von beiden weg ist.

Mache nicht zu viel mit Deinem Haar herum, sonst wird es, wenn Du 40 bist, aussehen wie 85.

Sei vorsichtig, wessen Rat Du Dir holst, aber sei geduldig mit denen, die Dir Rat geben. Rat ist eine Art Nostalgie. Rat geben ist so etwas wie die Vergangenheit aus dem Mülleimer holen, sie aufpolieren, die hässlichen Teile übermalen und sie dann für mehr verkaufen, als sie wert ist.

Aber vertraue mir, was Sonnencreme angeht.


… ach ja und wer sich den Song nun nochmal anhören möchte, ist auf YouTube zu finden. Ich wünsche viel Inspiration und neue Erkenntnisse beim Anhören!

Nimm Dir das Leben!

Nein, das ist kein Aufruf zum kollektiven Ableben – im Gegenteil.
»Nimm dir das Leben und lass es nicht mehr los, denn alles was du hast ist dieses eine bloß. Nimm dir das Leben und gib's nie wieder her, denn, wenn man es mal braucht, dann findet man's so schwer … « Diese Zeilen sind aus einem Song von Udo Lindenberg. Und für mich heißt das: Lebe Dein Leben, nimm Dich selbst wieder in die Mitte und vor allem wichtig!
Sie erinnern mich daran, dass es an mir liegt, dass es meine Entscheidung ist, mir das Leben zu nehmen – und zwar in seiner ganzen Fülle und Schönheit. Ich bin es, die verantwortlich ist, etwas Gutes aus meinem Leben zu machen.
Nicht immer bis morgen warten, um etwas zu verändern.
Nicht immer den sicheren, aber vielleicht langweiligen oder gar unbefriedigenden Weg gehen. Den mit dem geringsten Wiederstand.
Nicht auf die Freunde, Nachbarn, Eltern, Kollegen oder sonst irgendwen hören und vor lauter Angst der Ablehnung es allen Recht machen zu wollen.
Nein, aufstehen, sämtliche Ängste an die Hand nehmen und ihn durchziehen, Deinen (Lebens-)Plan. Vielleicht möchtest Du Dein Leben auf den Kopf zu stellen, vielleicht nur einen kleinen Schritt vorwärts gehen. Egal wie groß oder klein: Tu es! Geh raus und lebe. Es ist Dein Leben. Mach das, was für Dich passt.
Nimm Dir das Leben, nimm Dich selbst wieder in die Mitte und vor allem wichtig!

Meine Zeit - Mitten im Leben ...


... oder Nachtrag zur Veranstaltung vom 11.02.2019.

So, nun ist es schon eine Woche her, dass ich meine kleine – aber feine – Vortragslesung veranstaltet habe. Ein durchweg gelungener Abend und ich freue mich riesig über die vielen Komplimente die ich bekommen habe. Mit anderen Worten, wer nicht dabei war, ist selber schuld!

Und, ich habe mal wieder viel gelernt ….
Zum einen etwas über die Erwartungen, die wir an die Welt stellen. Wir möchten immer so gerne, dass diese die dann auch erfüllt und wenn es nicht so ist, sind wir enttäuscht. So eine Enttäuschung kann verletzten – oder uns (mich) stark machen. In diesem Fall, hatte ich natürlich gehofft, dass Unmengen an Zuhörer kommen (ich hatte – ganz wie gelernt – auch eine konkrete Zahl im Kopf). Nun, es kamen letztlich etwa die Hälfte davon. Die anfängliche Enttäuschung verflog aber bald, da diese Menschen wirklich zuhörten und dabei waren, als ich sie auf meinen Camino mitgenommen habe. Eine unglaubliche (gespannte, gerührte) Stimmung. Und das hat letztlich alles wettgemacht! Erwartungen sind gut, aber sie müssen nicht erfüllt werden um ein glanzvolles Ereignis zu haben.

Zum anderen ist es der Anspruch, den wir an uns selbst stellen. Diese ist ganz sicher eine sehr treibende Kraft, die unser Leben stark beeinflusst. Klar, ist dieser Anspruch zu hoch, können wir durchaus daran zerbrechen. Und ist er zu niedrig, leben wir vielleicht ein Leben, in dem wir uns mehr Sinn, mehr Erfüllung und mehr Abenteuer wünschen. Wenn unser Anspruch an uns selbst dagegen ein etwas ehrgeiziger ist, und zwar auf eine gesunde Art, dann kann uns das beflügeln, motivieren und die Kraft geben, zu dem zu werden, der wir sein können.
Mein Anspruch an mich selbst war es im Falle meines Vortrages, dass diese 100% reibungslos verläuft und ich die Zuhörer ‚einfangen‘ kann, faszinieren und motivieren. Ehrgeizig, sicherlich. Kann ich (Konnte ich) diesem Anspruch genügen? Schön wär’s, denn ich selbst finde immer etwas, das ich hätte besser machen können. Aber – mein learning - ich bin zufrieden, wenn ich das Gefühl habe, dass ich in der richtigen Richtung unterwegs bin. Denn der Anspruch an uns selbst ist ja kein klares Ziel, das es zu erreichen gilt. Unser Selbstanspruch wirkt eher wie ein Leuchtturm, dem ich mich immer wieder zuwende. Oder man könnte auch sagen, dass unser Anspruch wie eine Messlatte ist, an der ich mein eigenes Leben messen will. Und abends vor dem Schlafen gehen kann ich mich fragen: Bin ich meinem Anspruch an mich heute gerecht geworden? Und ein klares ‚Ja‘, lässt mich friedlich ins Land der Träume entschlummern …


Nun, wie auch immer, mir gehen die Ideen ja nicht so schnell aus. Und so habe ich bei der Veranstaltung nicht nur aus meinem Buch »Manchmal muss man einfach weiterlaufen« gelesen, sondern auch Bilder ausgestellt und meine kreativen Lesezeichen feilgeboten (siehe Bild).

Außerdem gibt es ein neues Buch »Meine Zeit – Mitten im Leben«. Es enthält fast 300 kurze Texte von mir, die ich im Laufe der letzten Jahre für unser örtliches Amtsblatt geschrieben habe. Da die ‚Kolumne‘ eine Plattform für den Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe ist, handeln viele Texte natürlich von und über den Umgang mit und ohne ein Suchtmittel. Aber auch von allem anderen, was das (abstinente) Leben so ausmacht. Wer Interesse hat, einfach eine PN an mich. Kosten sind €20 plus Verpackung und Versand (€ 3).
Nachstehend eine Kostprobe:

Erwartungen
Was macht uns wirklich unglücklich? Es ist nicht der Partner und nicht der Chef. Nicht das fehlende Geld oder die laute Wohnung. Wobei dies natürlich alles Faktoren sind, die einen gewissen Unmut auslösen können. Doch die wahre Ursache für diesen ‚Stress‘ liegt woanders. Die wahre Ursache liegt in uns drin. Denn das, was uns unglücklich macht sind unsere Erwartungen. Nichts weiter.
Was mich enttäuscht ist nicht der andere Mensch, der dies und jenes nicht tut. Was mich enttäuscht ist meine Erwartung, die ich an sie oder ihn hatte und die nicht erfüllt wurden. Dies gilt im gleichen Maße für die Erwartungen, die ich an mich selbst stelle.
Was mich unzufrieden macht – in jeglicher Hinsicht – ist immer die Diskrepanz zwischen dem, was ich erwarte und dem was wirklich ist. Und wenn Du sehr hohe Erwartungen hast – egal ob an Dich selbst oder andere, dann ist es kein Wunder, wenn Du oft unglücklich, unzufrieden bist.
Deswegen: Lass Deine Erwartungen los bzw. erwarte nicht, dass etwas passiert. Das heißt es jetzt aber nicht, dass Du nur noch auf der Couch sitzen und nichts mehr tun sollst. Es ist immer noch wichtig etwas für sich zu tun und Ziele zu haben. Aber knüpfe daran keine Erwartungen. Arbeite auf etwas hin, genieße den Weg. Aber erwarte nicht, dass Dir ein anderer den roten Teppich ausrollt.
Wir, das sind Betroffene und Angehörige, rollen auch keinen roten Teppich aus, aber wir unterstützen uns gegenseitig auf dem Weg in ein abstinentes Leben. Jeder ist willkommen! (wb)


Jeder weint seine eigenen Tränen
Ich sitze beim Frisör, muss warten und blättere um mir die Zeit zu vertreiben durch die einschlägigen Zeitschriften. Ein kleiner Artikel erregt meine Aufmerksamkeit. Hier geht es um einen Menschen, der durch seinen Alkoholkonsum fast alles verloren hat und das der doch gar keinen Grund zum Saufen hatte. Warum? Es wird mehrfach erwähnt, dass dieser potentiell Suchtkranke, nicht nur ein hohes Einkommen, eine tolle Frau und ein schickes Auto hat, nein er ist auch ein Manager im höchsten Rang.
Mir kommt der Satz in den Sinn: ‚Die Sucht macht vor niemandem Halt!‘ Und mit diesen Gedanken die Frage: Ist nun die Lebensgeschichte schlimmer, von der Frau, die als Kind misshandelt wurde, in verlotterten Verhältnissen aufwuchs und dann noch einen Säufer als Ehemann hatte … bringt man hier das Verständnis auf, dass Sie drogenabhängig wurde?
Und ist der Mensch, der es eigentlich gut hatte, in einer behüteten Kindheit aufwuchs, dem es nie an finanziellen Mitteln mangelte, aber der einfach nicht mit dem Leben zurechtkam, einfach nur willensschwach, wenn er zur Flasche greift?
Er hätte doch alles haben können, die andere dagegen hatte keine Chance.
Ist der mehr krank, der schon alles verloren hat und der weniger, der zwar irgendwie den Alltag auf die Reihe kriegt, aber nicht mehr ohne Suchtmittel auskommt?
Ich glaube nicht, denn jeder von uns hat sein ganz eigenes Paket zu tragen. Muss mit seinen Lebensumständen zurechtkommen. Nicht alle Schultern sind gleich breit …
Doch ich bin davon überzeugt: Auch in der schlimmsten Situation, gibt es noch Kraft in uns. Wir müssen sie nur finden und vor allem gebrauchen. Und das beginnt in dem Moment wo wir mit dem alten Leben abschließen, uns aussöhnen. Dann hat jeder die Chance, Suchtmittelfrei und zufrieden zu leben. (wb)