Von offiziellen Zeremonien und ganz inoffiziellem Pastis, Teil III


»Das Leben ist weder einfach noch verzwickt, weder klar noch dunkel, weder widerspruchsvoll noch zusammenhängend. Das Leben ist. Die Sprache allein ordnet oder verwirrt es, erhellt oder verdunkelt es, zerstreut oder vereinigt es.« (Antoine de Saint-Exupéry)
 
4.1.16. Montag. Heute durften wir ausschlafen. Zumindest einigermaßen und das nutzen wir auch gleich aus. Als wir dann zum Frühstück gehen wollen, stellt sich raus, dass wir die Nachtruhe doch hätten etwas verkürzen sollen. Denn es gibt keines mehr. Am Wochenende gibt es das petit déjeuner von 7-10, aber unter der Woche nur bis neun. Naja, dann gibt es nur Nescafé und Butterkekse im Zimmer. Ich denke so oder so, dass von den Anderen keiner so richtig ‚wild‘ auf Frühstück ist – ich sag nur ‘Pastis und Wein, in Mengen lass sein …‘

Ich bin froh, dass ich einen klaren Kopf habe, denn heute steht der ganz offizielle Teil des Besuches an – die Gedenkfeier zum 50. Jahrestag der Raffinerie-Katastrophe in Feyzin. Das heißt für die Jungs Uniform. Die habe ich nicht, aber ich habe natürlich entsprechend ordentliche Kleidung mitgenommen.

Von offiziellen Zeremonien und ganz inoffiziellem Pastis, Teil II


»Um klar zu sehen, genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung.« (Antoine de Saint-Exupéry)

3.1.2016. Sonntag. Ich bin kurz vor meinem Wecker wach. Und da ich gestern keinen Alkohol getrunken habe auch recht fit. So schmecken mir dann etwas später auch das Frühstückscroissant und der Kaffee. Ein paar der Floriansjünger kommen heute Morgen etwas verkatert aus ihren Zimmern.
Andere wiederum sehen nur gerädert aus, behaupten dies läge am Schlafmangel, da der mit im Zimmer schlafende Kameraden sämtliche umliegenden Bäume mit einer überdimensionalen Motorsäge abgeholzt hätte … mit anderen Worten fast unerträgliches Schnarchen und selbst in die Ohren gestopftes Toilettenpapier hätte nicht geholfen. Vielleicht ein Pastis mehr?

Pünktlich um 8.30 Uhr werden wir abgeholt. Zwei MTWs und ein ‚Leitfahrzeug‘. Hier stelle ich fest, dass die Herren der Feuerwehr doch relativ geordnet sind. Wahrscheinlich, weil sie es gewohnt sind, bei einem Einsatz nicht lange zu überlegen und so klappt die Aufteilung auf die Fahrzeuge ohne großes Chaos. Das habe ich schon ganz anders erlebt.
Heute fahren wir aber zum Glück nicht zu einem Brand, sondern in Richtung der Metropole Lyon. Sie ist mit 496.343 Einwohnern in der Kernstadt nach Paris und Marseille die drittgrößte des Landes. Die gesamte Metropolregion Lyon, mit 2.188.759 Einwohnern, ist nach Paris und vor Marseille die zweitgrößte Frankreichs. Okay, die Zahlen kann sich eh keiner merken, es sei auch nur mal so zur Orientierung erwähnt, um sich die Dimensionen dieser Großstadt vorzustellen.

Von offiziellen Zeremonien und ganz inoffiziellem Pastis, Teil I


»Die Sprache ist ein unvollkommenes Werkzeug. Die Ereignisse des Lebens sprengen alle Formulierungen.« (Antoine de Saint-Exupéry, frz. Flieger u. Schriftsteller, geboren in Lyon)

Vorwort: Vor etwas mehr als einer Woche schlurfte jemand mit einer Erkältung an mir vorbei. Der 'Täter' ist weg, die Erkältung geblieben. Diese beeinträchtigt nun nicht nur meine Atemwege, sondern hat irgendwie auch meine Wörter-Denkzellen lahm gelegt. Da der nachfolgende Bericht aber irgendwann schlicht absolut unaktuell würde, habe ich versucht aus den noch nicht angegriffenen Ecken meines Gehirns ein paar Buchstaben zusammen zu setzten und mal losgeschrieben. Als verkappte Perfektionistin bin ich selten mit dem zufrieden, was ich so zu Papier (okay auf den Bildschirm) bringe - so auch dieses Mal. Aber ich kann es wenigstens auf die Bazillen schieben, die meinen in meinem Körper eine Party feiern zu müssen (vielleicht mit Pastis, von dem ich allerdings gar nichts habe). Was ich sagen will, ich bitte einfach den geneigten Leser, meine etwas unrunde Darstellung des Kurztrips nach Frankreich zu verzeihen ... Wer es dennoch wagt, viel Spaß ;-)

Vorbemerkung: Der Einfachheit halber bezeichne ich hier die mit mir Reisenden als ‚Jungs‘ – auch wenn die Meisten eher zur reiferen Jugend gehören. Doch die Formulierung ist umständlich und irgendwie – so unter Einbeziehung sämtlicher Faktoren - trifft es ‚Jungs‘ doch einfach besser.
Also los … 

Es begab sich aber zu der Zeit … nein, nein, nein, so kann ich diesem Blogbeitrag wirklich nicht anfangen, gleichwohl Weihnachten ja noch nicht lange her ist. Aber mit den Heiligen Drei Königen war ich sicher nicht unterwegs ...
Wer meinen Blog verfolgt, weiß, dass ich hin und wieder mit der Freiwilligen Feuerwehr Laupheim unterwegs bin. Und nachdem ich an der 150-Jahr Feier wohl einen ganz guten Job bei der Betreuung der französischen Delegation gemacht habe, fragte mich Andreas (okay, es war eine nachdrückliche Bitte), ob ich nicht die Feuerwehr-Männer beim Gegenbesuch in Feyzin begleiten möchte – als Dolmetscherin. Auch wenn mir das ein paar etwas unruhige Nächte einbrachte (von wegen ob mein Französisch wohl ausreicht), ließ ich mich nur allzu gerne überreden. Ganz uneigennützig natürlich, ich als alter Frankreichfan. Die Aussicht die netten Menschen aus Feyzin wieder zu treffen und ein paar Tage in Frankreich waren zu verlockend. Ich sag nur ‚frische Croissants‘. Davon gab es dann nicht so viele aber eine Menge anderer spannender, lustiger und interessanter Erlebnisse … Und wir sind sicher alle mal wieder um ein paar Erfahrung reicher. So kann ein neues Jahr doch anfangen …

Doch beginnen wir am Anfang. Am Anfang stand einen Städtepartnerschaft…. Nee, so weit vorne müssen wir nicht anfangen. Also, wie erwähnt, angefangen hat unser kleines Abenteuer eine Weile bevor wir losgefahren sind. Als nämlich die FFW Laupheim ihre 150-Jahr-Feier hatte. Hier war eine Delegation aus der Partnerstadt Feyzin zu Gast (mein Blogbeitrag hierzu ist HIER zu finden). Die Franzosen hatten bei ihrem Besuch eine Einladung für einen Gegenbesucht ausgesprochen. Im Januar soll eine Gedenkfeier zum 50. Jahrestag der Brandkatastrophe in der Raffinerie von Feyzin stattfinden. Hierbei waren unter anderem 11 Feuerwehrleute ums Leben gekommen … Der Kommandant der FFW Laupheim, Andreas, zögerte nicht lange und fing gleich mal an zu organisieren. Erstmal galt es zu klären, wer geht mit? Spontan meldeten sich ziemlich viele, die gerne mit nach Frankreich wollten. Aber wie das dann immer so ist, im ersten Eifer sind alle dabei, aber letztlich springen sie dann doch wieder ab, wenn es gilt Nägel mit Köpfen zu machen. Zunächst wollten sogar der Bürgermeister von Laupheim und ein Vertreter der lokalen Zeitung mitkommen. Aber die mussten aus Termingründen dann doch absagen. Letztlich blieben der Kommandant nebst 14 Floriansjüngern … und eben ich.
Ich wurde gleich am Anfang mehr oder weniger eingeteilt. Gleichwohl ich durchaus Bedenken hatte. Zum einen bin ich kein Mitglied der FFW und zum anderen wohne ich nicht mal in Laupheim. Ich wollte wirklich niemandem den Platz wegnehmen. Doch Andreas bestand darauf, dass ich gebraucht werde. Na dann, überredet … Die Folgen hätte ich wissen müssen. Oder nicht? Nein, nicht im Ansatz hatte ich eine Ahnung, als ich mich darauf eingelassen habe. Aber ganz ehrlich, ich möchte es um nichts verpasst haben …